Hinter
hohen Mauern, Stacheldraht und Sicherheits-Schleusen, feierten die Herren der
American Footballer „Neuss Frogs“ am Sonntag in der JVA Herford ihr kleines
Comeback. Gegen ein Team von Inhaftierten zwischen 18 und 24 Jahren – den
Herford Black Devils – stellten die Neusser sich zum ersten Test nach dem
Neuaufbau des Teams in den vergangenen Monaten.
Beeindruckt
von der Kulisse zwischen fünfstöckigen vergitterten Gebäuden, in denen
Häftlinge durch schwedische Gardinen auf das Spielfeld schauten und sich ihrer
teils sehr vulgären Kommentare nicht enthalten konnten, schnürten die Frogs
gespannt ihre Schuhe für ein gemeinsames Aufwärmen mit den Devils. Bei diesem
von Frogs-Spielertrainer Sebastian Klaudat und dem Starting Quarterback der
Frogs, Steffen Pralow, geleiteten Aufwärmprogramm begegneten die Neusser
erstmals den Inhaftierten Spielern und bemerkten einen überraschend
freundlichen Empfang. Devils Headcoach Andreas Bauch erklärte auch warum dies
so war: „Die Jungs spielen hier immer nur unter sich und es ist schwer für uns
Gegner zu finden. Daher sind wir alle einfach sehr dankbar, dass die Frogs sich
bereit erklärt haben, hier gegen uns zu spielen. Es bringt Abwechslung in den
Alltag und zeigt den Jungs wo sie sportlich stehen.“
Aufschluss
über den sportlichen Stand sollte vor allem das vereinbarte „Scrimmage“ geben,
in dem die Teams abwechselnd zehn Angriffsspielzüge durchführen konnten, um die
erlernten Läufe oder Passspielzüge gegen einen echten Gegner zu testen.
Insgesamt dreißig Mal durfte jede Offense versuchen den Ball so weit wie
möglich nach vorne zu tragen, dreißig Mal musste die Defense also dagegen
halten und versuchen frühzeitig zu erkennen was der Gegner vor hat. Bei den
Frogs hatte dies trotz der fehlenden Praxis im Team hervorragend geklappt – Elf
Mal konnten die Neusser den Ball bis in die Endzone des Gegners tragen, die
Devils dagegen schafften es nur zwei Mal an der von Claudio Dossena geführten
Neusser-Abwehr vorbei zu kommen.
Grund
zur Freude bei den Neuss Frogs, die die 200km lange Heimreise zufrieden angehen
konnten und nun hoffen, dass es positiv weitergeht: „Wir haben einige wirklich
sehr erfahrene und gute Spieler in unseren Reihen, die ihre Erfahrung
professionell an die „Rookies“ im Team weitergeben. Außerdem haben wir eine
wirklich gute Stimmung innerhalb der Mannschaft, weshalb jedes Training nochmal
besonders Spaß macht. Gelingt es uns nun noch einige neue Spieler für den
American Football zu begeistern und alte Bekannte zurück nach Neuss zu lotsen,
können wir das Projekt Verbandsliga in der Zukunft optimistisch angehen.“ so
Offense-Liner Peter
Hambüchenzuversichtlich, dass seiner Entscheidung mit 29 Jahren mit dem Football spielen
anzufangen, noch weitere Männer zwischen 19 und 99 Jahren folgen. „Jeder der
Interesse an diesem packenden Sport hat, ist herzlich dazu eingeladen einfach
in Sport-/Fußballschuhen und normalen Trainingsklamotten am Training
teilzunehmen. Auf Neuss-Frogs.de finden sich Telefonnummern und
Trainingszeiten. Vorerfahrungen sind nicht notwendig, das Spiel lernt man am
besten, wenn man selber daran teilnimmt und es sich in Ruhe erklären lässt. Wer
jetzt ins Training einsteigt, ist vielleicht schon bald mit dabei, wenn solch
interessante Spiele wie in der JVA Herford anstehen“ – den Frogs hat es in
jedem Fall soviel Spaß gemacht, dass sie schon im März ein Rückspiel gegen die
Black Devils vorgeschlagen haben. Wieder Auswärts natürlich.
06. Oktober 2010 Frogs gehen hinter Gitter
„Spiel
auf Bewährung“ für die Neuss Frogs. Was Hollywood längst zum Thema gemacht hat,
nämlich die Resozialisierung von Gefängnis-Insassen durch gemeinsame sportliche
Betätigung im American Football, findet längst auch in Deutschland seine
Beispiele. In der JVA Herford sollen jugendliche Insassen zwischen 15 und 24
Jahren über den körperbetonten amerikanischen Volkssport lernen ihre Energie
positiv umzumünzen, Kameradschaft und Verlässlichkeit üben und im Football die
Chance finden ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten – im Mantel des JVA-Teams
„Black Devils“ blühen sie darin auf. Der fehlende „Freigang“ führt allerdings
dazu, dass die Footballer zwar reichlich trainieren können, jedoch immer nur
unter sich bleiben – es fehlt der Vergleich.
Für die Neuss Frogs kommt dieser Umstand gerade Recht. Nach dem Neustart des
Herrenteams, dass sich seit Mai wieder im regelmäßigen Training (Dienstags und
Donnerstags in Weckhoven) befindet, suchen auch die Frösche noch nach
Gelegenheiten sich mit anderen Teams zu messen. Die Truppe präsentiert sich gut
durchmischt mit Neulingen, Heimkehrern aus den oberen Ligen und altbewährten
Kräften zwischen 19 und 40 Jahren, die lediglich auf die „Rückkehr“ der seit
1986 in Neuss aktiven Frogs gewartet haben. Bei jedem Training freuen sich die
Frog-Teams über neugierige Besucher, die
herzlich zum mittrainieren und zugucken eingeladen sind. Mit noch etwas
Verstärkung können die Neusser-Herren dann auch bald wieder in der Landesliga
an den Start gehen. Bis es soweit ist, freuen die Footballer sich über
interessante Gelegenheiten wie das Training in der JVA. Den „Knackis“ einen
Besuch abzustatten, ihnen einen Gegner zu bieten und sich gegenseitig
kennenzulernen, reizt die Frogs. Für Sonntag (10.10.) ist daher ein gemeinsames
Training mit den Black Devils inklusive eines
abschließenden Scrimmages (Punktefreies Trainingsmatch) vorgesehen. Die
erste Bewährungsprobe also für die Frogs – die für das Spiel auch gerne hinter
Gitter gehen.